Unter Positionierung in einem kartesischen Koordinatensystem versteht man im Bauwesen die Einordnung einer Planung in ein erdbezogenes (geografisches) Koordinatensystem zur vermessungstechnischen Verortung mittels metrischer Koordinaten (Nord-, Ost- und Höhenposition). Im deutschsprachigen Raum wird dazu beispielsweise das Gauß-Krüger-Koordinatensystem verwendet.
Im allgemeinen können BIM-Modelle ohne eine kartesische Positionierung erstellt werden, es ist jedoch sinnvoll, bei entsprechender Vorgabe die Zuordnung bereits beim Projektstart vorzunehmen.
Sehr häufig wird eine Einordnung des Bauprojektes in ein kartesisches Koordinatensystem vom Auftraggeber gefordert - Planende sind jedoch gut beraten, dies nach Kräften zu vermeiden und ggf. zu verhandeln. Was ist das Problem dabei?
Der geometrische Nullpunkt eines Projekts ist wohl als diewichtigste Koordinate in einem digitalen Gebäudemodell zu sehen - sämtliche sonstigen Positionen beziehen sich hierauf und auch das Zusammenlegen mehrerer Teilmodelle (z.B. aus den unterschiedlichen Disziplinen) benötigt diesen zentralen Ankerpunkt. Das Problem an kartesischen Koordinaten als Projekt-Nullpunkt liegt nun darin, dass dieser Nullpunkt nicht selten zehntausende von Kilometern entfernt vom eigenen Grundstück liegen kann. Dies kann zu vielen Problemen führen - von Unbequemlichkeiten beim Zoomen und Arbeiten im Modell bis zu geometrischen Ungenauigkeiten z.B. bei der Übergabe von Modelldaten an Fertigungsmaschinen wie Fräsen oder Roboter.
Die Positionierung in einem kartesischen Koordinatensystem erfolgt je nach Projektfestlegung in einer beliebigen Planungsphase. Sofern von Seiten des Auftraggebers vorgegeben, sollte dies frühestmöglich geschehen.
Merkmale
In dieser Phase wird die Positionierung vorgenommen und die benötigten Merkmale entstehen durch die Verschiebung des Objekts:
Allgemeine:
- Nordposition
- Ostposition
- Höhenposition
- Geografischer Norden (Winkel zum Projektnorden)
Anleitung
Im Allgemeinen erfolgt die Positionierung auf Basis eines Vermesserplans, der üblicherweise als genordeter AutoCAD-Plan vorliegt und dessen Objekte (Katastergrenzen und dergleichen) im Bezug zum Zeichnungs-Nullpunkt lagerichtig in einem kartesischen Koordinatensystem liegen. In dieser DWG wird durch Einzeichnen von Gebäude-Bezugspunkten die Lage des Gebäudes im Grundstückskataster definiert.
Zur korrekten Positionierung müssen die Koordinaten zuerst von der Vermesser-DWG in eine Revit-Datei übertragen bzw. abgerufen werden. Durch eine weitere Übertragung dieser Koordinaten-Daten auf die verschiedenen Revit-Teilmodelle eines Projekts werden diese dann auf sogenannte gemeinsam genutzte Koordinaten, also auf einen übereinstimmenden gemeinsamen geografischen Standort gelegt.
Übersicht Modell-Lage im Projekt
Das Gauss-Krüger-Koordinatensystem (= kartesisches Koordinatensystem) dient als Grundlage für die Verortung von Projekten bezüglich ihrer tatsächlichen Lage.
Verwendung Gauss-Krüger-Koordinatensystem
Die Projektlage wird per Einfügen der 3 Gauss-Krüger-Referenzpunkte an ihrer originalen Position festgelegt. Da die Daten mit anderen Projektbeteiligten getauscht werden, ist eine gemeinsam definierte Projektlage notwendig. Das bedeutet, dass das Projektmodell in ARCHICAD nicht am ARCHICAD-Projektnullpunkt (= x) modelliert wird, sondern im Bereich der Gauss-Krüger-Koordinaten.
Man sollte trotzdem beachten, falls die Modellierung in ArchiCAD weit weg von dem Projektursprung erfolgt, dass die Projektdatei in einen sogenannten „weit weg vom Ursprung“ Zustand kommt, dadurch unerwünschte Ungenauigkeiten und manchmal Softwarefehler entstehen. Dieser Zustand ist irreversibel, deshalb empfehlen wir folgendes, wenn eine laut dem Gauss-Krüger-Koordinatensystem verortete Datei für den IFC/DWG-Export erwünscht ist.
- Sie arbeiten, wie gewohnt, nah zum ArchiCAD-Projektursprung in der „Arbeitsdatei“. Das Modell sollte in der Z-Achse nicht verschoben werden.
Sollte die Projektbearbeitung auf der Autodesk Construction Cloud ACC erfolgen, ist folgender Hinweis der Autodesk zu berücksichtigen:
- Die Option "Aktuelles gemeinsam genutztes Koordinatensystem publizieren" ist für verknüpfte Cloud-basierte Arbeitsteilungsdateien in Revit deaktiviert.
- Das Abrufen der gemeinsam genutzten Koordinaten ist jedoch möglich.
Weitere Infos befinden sich in folgendem Autodesk-Artikel
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